Jahresbericht der LG-UNESCO-Gruppe
Informationen sind heute nahezu jederzeit und überall verfügbar. Lernen bedeutet jedoch mehr als den blossen Zugang zu Wissen: Es entsteht dort, wo Menschen genauer hinschauen, Fragen stellen, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und Verantwortung übernehmen. Einen passenden Leitgedanken dafür bot die Idee der UNESCO-«Learning City», die an der diesjährigen Jahrestagung der UNESCO-assoziierten Schulen in Lausanne vorgestellt wurde. Sie versteht nicht nur Schulen, sondern auch öffentliche Räume, kulturelle Einrichtungen, Natur und gesellschaftliches Engagement als Lernorte. Auch die Aktivitäten der LG-UNESCO-Gruppe mach(t)en Schule und Umgebung auf vielfältige Weise zu solchen Lernorten – beim UNESCO-Tag zu Flucht und Asyl, in der Karikaturenausstellung zum Menschenrechtstag, bei der Vogelbeobachtung, auf der Bildungsreise nach St. Gallen und durch verschiedene solidarische Aktionen. Der folgende Rückblick gibt Einblick in einige dieser Lern- und Begegnungsräume.
UNESCO-Tag der 2. Klassen: „Flucht und Asyl“
Auch dieses Jahr begann das UNESCO-Schuljahr am 1. lg-tag mit dem UNESCO-Tag für alle Zweitklässler:innen zum Thema «Flucht und Asyl». Ein Bericht dazu findet sich auf der LG-Homepage.
Menschenrechtstag 2025
Anlässlich des Internationalen Tags der Menschenrechte am 10. Dezember zeigte die UNESCO-Gruppe in der Eingangshalle eine Ausstellung mit 23 Karikaturen. Die Zeichnungen stammten aus dem Fundus von Cartooning for Peace, einem 2006 auf Initiative des damaligen UNO-Generalsekretärs Kofi Annan und des französischen Karikaturisten Plantu entstandenen internationalen Netzwerk von Pressezeichnerinnen und Pressezeichnern. Die Organisation setzt sich mit den Mitteln der Karikatur für Menschenrechte, Meinungsfreiheit, kulturelle Vielfalt und Demokratie ein und unterstützt zugleich Karikaturistinnen und Karikaturisten, deren Arbeit durch Zensur oder Verfolgung bedroht ist.
Die ausgestellten Zeichnungen griffen auf pointierte, teilweise auch irritierende Weise Themen wie Krieg und Frieden, Flucht und Migration, Armut und soziale Ungleichheit, Diskriminierung und Rassismus, Kinderrechte, Gleichberechtigung sowie Meinungs- und Pressefreiheit auf. Über QR-Codes gelangten die Betrachtenden zu einer Umfrage, in der sie jeder Karikatur das jeweils angesprochene Menschenrecht zuordnen konnten. Die Präsentation an der UNESCO-Litfasssäule und über den Beamer machte die Menschenrechte im Schulalltag sichtbar und lud dazu ein, stehen zu bleiben, genau hinzusehen und sich aktiv mit ihrer Bedeutung auseinanderzusetzen.
Kuchenverkäufe am Schnuppertag und an den Besuchstagen
Am Schnuppertag erzielte die UNESCO-Gruppe in bewährter Zusammenarbeit mit der SOLG durch ihren Kuchenverkauf einen Erlös von CHF 950.30, der auf CHF 1’000.– aufgerundet und dem «Verein Ukraine Hilfe» gespendet wurde. Der Verein hat seit 2022 in der Ukraine über 150 Modulhäuser errichtet und damit Familien ein sicheres und menschenwürdiges Zuhause geschaffen.
Der Erlös aus dem Kuchenverkauf an den Besuchstagen im März 2026 belief sich auf CHF 1’154.- und ging zu gleichen Teilen an zwei Organisationen:
Zum einen an unsere Partnerorganisation «Smiling Gecko», die in Kambodscha mit ihrem Campus direkt oder indirekt rund 30'000 Menschen unterstützt. Zum anderen an «SOLVA» und dessen Netzwerk der Solidarität gegen Menschenhandel und Missbrauch.
Allen Bäcker:innen, Helfer:innen und Verkäufer:innen ein herzliches Dankeschön für ihren Einsatz!
Weiterbildungsausflug der LG-UNESCO-Gruppe nach St. Gallen
Ende März begab sich die (erweiterte) LG-UNESCO-Gruppe wieder auf Bildungsreise. Nachdem der Strasbourg-Ausflug letztes Jahr diese nun fest verankerte Tradition begründet hatte, hiess das Ziel am 27. und 28. März 2026 St. Gallen. Nach der gemeinsamen Anreise am Freitagnachmittag und einem geselligen Abendessen im Restaurant Lagerhaus übernachteten wir in der besonderen Atmosphäre der Militärkantine, die heute Hotel, Restaurant, Kulturort und Begegnungsstätte zugleich ist und grossen Wert auf Nachhaltigkeit legt.
Der Samstag begann mit einem Stadtrundgang unter der Leitung von Rolf Bossart, Leiter des Instituts für Gesellschaftswissenschaftliche Bildung an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Seine ebenso kenntnisreiche wie anregende Führung eröffnete vielfältige historische, gesellschaftliche und kulturelle Perspektiven auf die Stadt. Nach einem Abstecher zu den Drei Weieren folgte am Nachmittag eine Führung durch den Stiftsbezirk. Das UNESCO-Weltkulturerbe mit seiner eindrucksvollen barocken Anlage und der weltberühmten Stiftsbibliothek bildete einen passenden Abschluss des Ausflugs, der fachliche Impulse mit persönlichem Austausch und geselligem Beisammensein verband.
Stunde der Gartenvögel im Rämibühl-Park
Jedes Jahr im Frühling findet die «Stunde der Gartenvögel» statt: BirdLife Schweiz ruft dazu auf, während einer Stunde die Vögel im Garten oder Park zu zählen und zu melden. Der Rämibühl-Park bietet sich dafür natürlich besonders an, und als UNESCO-assoziierte Schule ist Biodiversität ein wichtiges Thema.
Auch diesmal luden die kunstvoll bestückte UNESCO-Litfasssäule und die über den Beamer projizierte Präsentation dazu ein, Vögel und ihre Stimmen näher kennenzulernen.
Netzwerktagung 2026 der UNESCO-assoziierten Schulen Schweiz
Die diesjährige Tagung des Netzwerks der UNESCO-assoziierten Schulen der Schweiz fand Mitte Mai im Lavaux und in Lausanne statt. Im Zentrum standen das Lavaux als lebendige UNESCO-Kulturlandschaft und ausserschulischer Lernort sowie die Frage, wie Natur, Kultur und gesellschaftliches Engagement in der Bildung miteinander verbunden werden können. Weitere Schwerpunkte bildeten Lausanne als UNESCO-«Learning City», der Austausch über Projekte und Lernumgebungen der Mitgliedsschulen sowie die Umsetzung der UNESCO-Ziele zu Frieden, Menschenrechten, Inklusion und nachhaltiger Entwicklung. Eine Führung durch die Fotoausstellung zu Ella Maillart, deren Nachlass zum UNESCO-Register «Memory of the World» gehört, rundete die Tagung ab.
LG-UNESCO-Preis für Maturaarbeiten 2025
Zum Schuljahresabschluss wurde auch dieses Jahr wieder der LG-UNESCO-Maturaarbeitspreis für Arbeiten, die sich in hervorragender Weise mit UNESCO-Themen auseinandersetzen, verliehen. Als Siegerin wurde 2026 die Arbeit von Aline Herold mit dem Titel «Siblinfo – Informationsblätter für Geschwister von Kindern mit einer Behinderung» ausgezeichnet. Auf der Grundlage persönlicher Erfahrungen, sorgfältiger Recherchen und einer eigenen Umfrage entwickelte sie kindgerechte Informationsblätter, die Geschwisterkindern Behinderungen, Hilfsmittel und soziale Situationen verständlich erklären. Die Arbeit überzeugte durch ihre Verbindung von fachlicher Sorgfalt und konkreter Anwendbarkeit sowie durch ihren auf Teilhabe, Empathie und den Abbau von Barrieren ausgerichteten Zugang. Damit leistet sie einen wertvollen Beitrag zu Inklusion und einem besseren Zugang zu Wissen.
Herzlichen Glückwunsch!
Kerstin Peter, UNESCO-Gruppe




